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Di 18.04.00 22:00





Im Test – Orientteppiche
Soli-Beitrag: Wofür und wie lange noch?
Im Test – Orientteppiche
Das Geschäft mit billiger Ware blüht und verdrängt immer mehr den "seriösen" Handel. Wirklich etwas für Schnäppchenjäger?
 
[Autor: Harald Henn

Trübe Stimmung im Hause Erkrath in Mühlheim. Am 02. September 2000 hätte das Teppichunternehmen seinen 100. Geburtstag gefeiert, doch daraus wird nun nichts. Totalausverkauf, alles muss raus, zum Schluss eine Versteigerung mit drastischen Preisnachlässen. " Wir konnten nicht mehr", bilanziert Geschäftsführer Hans Hongsermeier, "die Konkurrenz mit ihrer billigen Ramschware hat den Markt regelrecht versaut. Schlimm nur für die Kunden. Die merken gar nicht, dass ihnen Teppiche minderer Qualität untergejubelt wird." Teurere Qualitätsware habe auf dem Markt keine Chance mehr.

Zu denen, auf die Hongsermeier so rüde schimpft, gehört auch Hermann Traxel. Der 59-jährige Orientteppich-Importeur zählt zu den ganz Großen der Branche, Umsatz in den 14 Filialen vergangenes Jahr: 170 Millionen DM. Am liebsten wäre es ihm, wenn die Deutschen sich alle paar Jahre einen neuen Keschan oder Nain zu Füßen legen würden.

PLUSMINUS hat sich inkognito in einer Traxel-Filiale drei Orientteppiche zur Ansicht ausgeliehen und von einem Frankfurter Teppichgutachter testen lassen. Der von der IHK bestellte und vereidigte Peter Mauch entzauberte die Exemplare binnen Minuten.

Als erstes einen persischen Kaschan, ausgezeichnet mit einem Preis von 18.910 DM. Der war durchgestrichen und durch ein wahres Schnäppchenangebot ersetzt: 8.600 DM. Das Gutachten indes kommt zu einem gemittelten Endverbraucherpreis von nur noch 3.872 DM. Also doch kein Schnäppchen?

Kein Schnäppchen, resümiert der Frankfurter Mauch, der seit 42 Jahren gutachtet, und verweist auf Mängel. Während in der Filiale PLUSMINUS gegenüber die Zahl der Knoten mit 300.000 angegeben wurde, zählte Mauch nur 160.000. Auch die Inspektion der Fransen brachte eine Überraschung: die waren morsch, laut Gutachten wegen Wassereinbruchs. Zudem waren der obere und untere Rand des Flors um ca. 1 cm reduziert.

Etikettenschwindel ermittelte Mauch bei einem Teppich, der den Namen "Nain" trug. Das Stück stamme gerade nicht aus dem persichen Nain, wie behauptet, sondern aus Kashmar, das rund 1000 Kilometer entfernt von Nain liege. Es handele sich lediglich um ein Nain-Muster. Weiter: ganz im Gegensatz zur Aussage des Etiketts enthalte der Teppiche keine Seide, er sei auch nicht "fein".

Deshalb deutliche Rückstufung im Preis: die durchgestrichene Summe von 2.970 DM und ihre Angebotsvariante 1.100 DM ersetzte Mauch durch den Preis von 1.030 DM.

Eine herbe Überraschung bescherte uns schließlich ein Perserteppich der Provenienz Ardakhan. Im Laden wird uns sein Alter mit "25 bis 30 Jahren" angeben, doch laut Gutachten ist das Teil "neu". Allerdings weist es Anzeichen starker chemischer Wäsche auf mit dem Effekt einer deutlichen Bleichung – möglicherweise sollte der Teppich auf alt getrimmt werden. Die Fransen sind zum Teil verfilzt, viele der Fransen sind neu eingezogen und lassen sich leicht herauszupfen. In der Farbe unterscheiden sie sich deutlich von den Altfransen.

Konsequenz für den Preis: statt 12.190 bzw. 5.800 nur noch 2.590 DM.

Der PLUSMINUS-Test wirft auch ein deutliches Licht auf das Werbe- und Preisverhalten der Tratex-Gruppe. "Wenn wir nach einer Werbekampagne mal keine Abmahnung erhalten, dann war unsere Aktion nicht aggressiv genug", gibt Herrmann Traxel freimütig zu. Dass er immer wieder von Industrie- und Handelskammern, Abmahnvereinen und Gerichten zur Räson gezogen wird, lässt den Teppichmogul kalt. Vom Landgericht Frankfurt (AZ 3/12 0 137/96) wurde ihm beispielsweise verboten, mit dubiosen Preisreduzierungen zu werben.

Ein weiteres Beispiel: Im Fall seiner Dietzenbacher Filiale hatte Traxel per Werbemassenbeilagen angekündigt "Wir schließen zum Jahresende", um dann im Januar in derselben Filiale die Kundschaft mit einem Winterschlussverkauf zu locken – in beiden Fällen mit undurchsichtigen Preisreduzierungen. Um dieses Manöver wettbewerbsrechtlich zu legalisieren, wechselte er zum 01. 01. 2000 die Geschäftsführung aus: Hannelore Traxel wurde von Tim Traxel abgelöst. In dieser Filiale gab es übrigens innerhalb von vier Jahren elf Wechsel in der Geschäftsführung.

Getestet wurden von PLUSMINUS auch drei Tratex-Brücken auf Schwermetalle und Pestizide. Dabei ermittelte das beauftragte chemische Labor in allen drei deutliche Spuren des in Deutschland verbotenen Pestizids DDT festgestellt: Indo Gabbeh mit 5,9 mg/kg und Indo Gabbeh L mit sogar 9,9 mg/kg. Laut Qualitätskriterien der Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden e.V. dürfen Teppiche überhaupt kein DDT enthalten. Zudem wurden in allen drei Brücken die Schwermetalle Nickel, Kupfer und Chrom ermittelt – die sind in den Farben der Teppiche enthalten.


 
 
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