Trübe Stimmung im Hause Erkrath in Mühlheim. Am 02.
September 2000 hätte das Teppichunternehmen seinen 100.
Geburtstag gefeiert, doch daraus wird nun nichts.
Totalausverkauf, alles muss raus, zum Schluss eine
Versteigerung mit drastischen Preisnachlässen. " Wir konnten
nicht mehr", bilanziert Geschäftsführer Hans Hongsermeier,
"die Konkurrenz mit ihrer billigen Ramschware hat den Markt
regelrecht versaut. Schlimm nur für die Kunden. Die merken gar
nicht, dass ihnen Teppiche minderer Qualität untergejubelt
wird." Teurere Qualitätsware habe auf dem Markt keine Chance
mehr.
Zu denen, auf die Hongsermeier so rüde schimpft, gehört
auch Hermann Traxel. Der 59-jährige Orientteppich-Importeur
zählt zu den ganz Großen der Branche, Umsatz in den 14
Filialen vergangenes Jahr: 170 Millionen DM. Am liebsten wäre
es ihm, wenn die Deutschen sich alle paar Jahre einen neuen
Keschan oder Nain zu Füßen legen würden.
PLUSMINUS hat sich inkognito in einer Traxel-Filiale
drei Orientteppiche zur Ansicht ausgeliehen und von einem
Frankfurter Teppichgutachter testen lassen. Der von der IHK
bestellte und vereidigte Peter Mauch entzauberte die Exemplare
binnen Minuten.
Als erstes einen persischen Kaschan, ausgezeichnet mit
einem Preis von 18.910 DM. Der war durchgestrichen und durch
ein wahres Schnäppchenangebot ersetzt: 8.600 DM. Das Gutachten
indes kommt zu einem gemittelten Endverbraucherpreis von nur
noch 3.872 DM. Also doch kein Schnäppchen?
Kein Schnäppchen, resümiert der Frankfurter Mauch, der seit
42 Jahren gutachtet, und verweist auf Mängel. Während in der
Filiale PLUSMINUS gegenüber die Zahl der Knoten mit
300.000 angegeben wurde, zählte Mauch nur 160.000. Auch die
Inspektion der Fransen brachte eine Überraschung: die waren
morsch, laut Gutachten wegen Wassereinbruchs. Zudem waren der
obere und untere Rand des Flors um ca. 1 cm reduziert.
Etikettenschwindel ermittelte Mauch bei einem Teppich, der
den Namen "Nain" trug. Das Stück stamme gerade nicht aus dem
persichen Nain, wie behauptet, sondern aus Kashmar, das rund
1000 Kilometer entfernt von Nain liege. Es handele sich
lediglich um ein Nain-Muster. Weiter: ganz im Gegensatz zur
Aussage des Etiketts enthalte der Teppiche keine Seide, er sei
auch nicht "fein".
Deshalb deutliche Rückstufung im Preis: die
durchgestrichene Summe von 2.970 DM und ihre Angebotsvariante
1.100 DM ersetzte Mauch durch den Preis von 1.030 DM.
Eine herbe Überraschung bescherte uns schließlich ein
Perserteppich der Provenienz Ardakhan. Im Laden wird uns sein
Alter mit "25 bis 30 Jahren" angeben, doch laut Gutachten ist
das Teil "neu". Allerdings weist es Anzeichen starker
chemischer Wäsche auf mit dem Effekt einer deutlichen
Bleichung – möglicherweise sollte der Teppich auf alt getrimmt
werden. Die Fransen sind zum Teil verfilzt, viele der Fransen
sind neu eingezogen und lassen sich leicht herauszupfen. In
der Farbe unterscheiden sie sich deutlich von den
Altfransen.
Konsequenz für den Preis: statt 12.190 bzw. 5.800 nur noch
2.590 DM.
Der PLUSMINUS-Test wirft auch ein deutliches Licht
auf das Werbe- und Preisverhalten der Tratex-Gruppe. "Wenn wir
nach einer Werbekampagne mal keine Abmahnung erhalten, dann
war unsere Aktion nicht aggressiv genug", gibt Herrmann Traxel
freimütig zu. Dass er immer wieder von Industrie- und
Handelskammern, Abmahnvereinen und Gerichten zur Räson gezogen
wird, lässt den Teppichmogul kalt. Vom Landgericht Frankfurt
(AZ 3/12 0 137/96) wurde ihm beispielsweise verboten, mit
dubiosen Preisreduzierungen zu werben.
Ein weiteres Beispiel: Im Fall seiner Dietzenbacher Filiale
hatte Traxel per Werbemassenbeilagen angekündigt "Wir
schließen zum Jahresende", um dann im Januar in derselben
Filiale die Kundschaft mit einem Winterschlussverkauf zu
locken – in beiden Fällen mit undurchsichtigen
Preisreduzierungen. Um dieses Manöver wettbewerbsrechtlich zu
legalisieren, wechselte er zum 01. 01. 2000 die
Geschäftsführung aus: Hannelore Traxel wurde von Tim Traxel
abgelöst. In dieser Filiale gab es übrigens innerhalb von vier
Jahren elf Wechsel in der Geschäftsführung.
Getestet wurden von PLUSMINUS auch drei
Tratex-Brücken auf Schwermetalle und Pestizide. Dabei
ermittelte das beauftragte chemische Labor in allen drei
deutliche Spuren des in Deutschland verbotenen Pestizids DDT
festgestellt: Indo Gabbeh mit 5,9 mg/kg und Indo Gabbeh L mit
sogar 9,9 mg/kg. Laut Qualitätskriterien der Gemeinschaft
umweltfreundlicher Teppichboden e.V. dürfen Teppiche überhaupt
kein DDT enthalten. Zudem wurden in allen drei Brücken die
Schwermetalle Nickel, Kupfer und Chrom ermittelt – die sind in
den Farben der Teppiche enthalten.